Wahrlich wie im Flug sind die letzten Wochen vergangen. Alles musste gepackt werden, das Zimmer geräumt, Freunde verabschiedet und die Rückreise organisiert werden. Und endlich habe ich auch den seit langem geplanten Tagesausflug nach Sala gemacht, eine Zugstunde von hier. Die kleine Stadt ist durch ihre Silbermine reich geworden, aber irgendwann den Anschluss verloren. Jetzt ist es hauptsächlich ein idyllisches, verschlafenes Städtchen mit einem Besucherbergwerk. Ich war nicht in der Mine selbst, aber Stadt und Grubengelände belohnen den, der sich darauf einlässt, mit Fotomotiven en masse. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, die Stimmung einzufangen.
Aber was wäre ein Jahr wie dieses ohne einen abschließenden Höhepunkt? Elf Tage lagen zwischen meinem Auszugsdatum und dem Rückflug nach Deutschland, und ich denke, ich habe sie gut genutzt.
Man kann sagen, ich habe noch einmal einen weiten Bogen geschlagen: Göteborg, Kopenhagen und schließlich zu Midsommar nach Dalarna. Aber der Reihe nach: Auf Göteborg war ich besonders gespannt; ist es doch nicht nur die zweitgrößte Stadt Schwedens nach Stockholm, sondern wird allgemein auch als dessen genereller Gegenpol angesehen. Es ist ein wenig wie Sydney und Melbourne, Hamburg und Berlin oder Düsseldorf und Köln. Stockholm ist die glitzernde Metropole, hier verbringen die Reichen und Schönen ihre Zeit damit, Trends zu setzen, sich zu zeigen und den Glanz und die sehnsüchtigen Blicke der großen Welt zu genießen. Spektakuläre Attraktionen, die Verbindung ins Baltikum und nicht zuletzt die Geschichte als das schlagende Herz des Nordens prägen Stadt und Menschen. Auch wenn ich es nicht glauben wollte, man erkennt den Stockholmer an seiner modischen Kleidung, seinen überstylten Haaren und seinem Drang, der Landbevölkerung (also allen nicht - Stockholmern) einen Schritt voraus zu sein. Das diese Haltung auch auf das nahe, gelegene Uppsala abgefärbt und mir so ein etwas verfälschtes Bild des durchschnittlichen Schweden vermittelt hat, sei an dieser Stelle vorerst nur eine Randnotiz. Göteborg scheint eine Art rebellischer kleiner Bruder zu sein. Es gibt nicht so viel zu sehen, es ist nicht so schön, nicht so sauber. Aber die Leute sind stolz darauf, ihre eigene Geschichte zu haben und ihren eigenen Weg gegangen zu sein. Dieser hat zwar nicht zu Stockholms Größe geführt, dazu aber zum begründeten Ruf, bodenständig, vielfältig, liebens- und lebenswert zu sein. Und wer Subkulturen mag, wird sich vier wohl fühlen. Natürlich hatte ich in drei Tagen nur begrenzt Gelegenheit, dies zu genießen, aber gefallen hat es mir trotzdem. Besser als Stockholm? Gute Frage, dafür müsste ich wohl probewohnen. Hier ein Bericht in Bildern:
Weiter ging es nach Kopenhagen. Was soll ich sagen, die Stadt hat mich beeindruckt. Nun mag ich Städte mit viel Wasser ohnehin; aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass hier noch der Puls einer lebendigen Großstadt hinzu kam, von den bunten Häusern am Nyhavn über die Schlösser zum Stadtteil Christianshavn. Natürlich gab es jede Menge Touristen, aber irgendwie fühlte es sich trotzdem natürlich an. Gutes Essen, Reisewetter und bezaubernde Begleitung haben ihren Anteil beigebracht.
Doch auch diese schönen Tage gingen zuende, und das Mittsommer-Wochenende stand vor der Tür. So brachte mich eine lange Zugreise nach Rättvik in Dalarna. Dalarna, wörtliche übersetzt "Die Täler", ist jedner Teil Schwedens, der dem Klischeebild am besten entspricht. Rote Häuschen am See? Kleine Dörfer mit freundlichen Menschen, Wald und abgelegene Bauernhöfe: Das alles findet man dort.
So verbrachten wir viel Zeit im Grünen und am Wasser, und feierten natürlich ausgiebig Mittsommer. Mittsommer, oder schwedisch Midsommar, das ist immer am Wochenende zwischen dem 20. und 26. Juni, und besteht darin, dass in jeder Ortschaft ein Holzpfahl errichtet wird, geschmückt mit Blättern, Kränzen und typischen Symbolen. Dazu trägt man trachten, macht Volksmusik und isst Erdbeeren. Der Höhepunkt kommt natürlich erst, wenn der Pfahl komplett aufgerichtet ist, dann wird im Kreis um den Pfahl herumgetanzt, und zwar auf traditionelle Lieder. Das bekannteste ist wohl das von den kleinen Fröschen, näheres findet ihr auf der Wikipedia-Seite zu dem Lied. Dazu hüpfen dann alle, vom kleinen Kind an Mamas der Papas hand über Teenager in Punk-Kluft und Studenten auf Heimaturlaub bis hin zum alten Mütterchen um den Baum und tun so, als ob sie kleine Frösche wären.
Äquivalent gilt das natürlich auch für die Lieder von den kleinen Ferkeln, den Vögeln im Wald, den drei alten Männern und so weiter. Da gehen die sonst so distanzierten und zurückhaltenden Schweden gnaz aus sich heraus. Irgendwie war es ja klar, dass 6 Monate Dunkelheit, gefolgt von 6 Monaten Tageslicht die menschliche Psyche irgendwie beeinflussen...
Wir waren jedenfalls auf zwei solcher Feiern. Die erste war in Leksand, dem Zentrum der Gegend mit je nach Zählung 6.000 bis 15.000 Einwohnern.Die dortige Pfahlerrichtung ist ein touristisches Ereignis: 20.000 Menschen (nach Angabe des Ansagers, aber das könnte schon stimmen) versammelten sich, um zuzuschauen, zu feiern und zu tanzen. Ja, tausende Menschen, die in einem großen Pulk um einen Pfahl herumtanzen, das ist schon ein Erlebnis. Natürlich sind wir kopfüber mit ins Vergnügen gesprungen. Und man kann sich denken, dass es schon einiges Gehüpfe, Gespringe und Geschunkle kostete, um wieder am Ausgangspunkt anzukommen.
Weniger spektakulär, dafür authentischer und irgendwie heimeliger war die Feier am nächsten Tag, in einem kleinen Dorf mit roten Häusern am See.. Im Prinzip die gleiche Prozedur, nur viel kleiner: ein Ansager mit Tracht und Mikro einige Männer mit Pfählen um den Pfahl aufzurichten, und ringsherum die Einwohner. Und hinterher, ja genau, små grodarna und små grisarna. Und als krönender Abschluss des Tages waren wir zu Gast bei einer Großtante unserer Gastgeberin (welche übrigens, das sollte ich erwähnen, eine schwedische Studentin aus meiner Nation, die aus Rättvik kommt und einfach mal das ganze Fika-Kränzchen eingeladen hat). Ihr werdet es vermuten, ein 300 Jahre altes rotes Holzhaus, rechts die Kuhweide, links der See, und dazwischen eine Küche voller Rhabarberkuchen.
So rollten wir also nach einem langen Tag nach Hause...
Den Sonntag verbrachten wir mit einer Rundfahrt zu den Sehenswürdigkeiten der Region, der Produktionsstätte der Dalahästar, zu einem Wasserfall und einem Schaubauernhof (man stelle sich den Schrecken der Londoner Großstadtkinder vor, als eine Kuh frei! auf dem Parklplatz stand...). Und schon am Montag hieß es für mich Abschied nehmen, den Zug nach Stockholm zu besteigen, und nach einer weiteren Nacht dort zum Flughafen aufzubrechen.
So habe ich Schweden denn auf Wiedersehen gesagt. Ja, ich bin sicher ich werde dorthin zurückkehren. Gründe gibt es genug...
Und nun? Jetzt bin ich in Trier. Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seit meinem ersten Post in diesem Blog. Es war ein ereignisreiches Jahr, mit Höhen und Tiefen, stets voller neuer Erfahrungen, ich habe viele Menschen getroffen, interessante und uniteressante, solche die mir in Erinnerung bleiben und andere die ich vergessen werde, und einige, mit denen ich hoffentlich langfristig in Verbindung bleibe. Auf jeden Fall bleibt mir eine ganze Menge Erinnerungen, und wenn mir jetzt im Studium ein hartes Jahr bevorsteht, werde ich wohl manchmal wehmütig zurückdenken. Aber wie dem auch sei, neue Aufgaben warten! Jedenfalls danke ich für euer Interesse, ich hoffe, diesen Blog zu lesen hat euch ein bißchen Spaß gemacht, oder wenigstens ein Bild davon verschafft, was ich so getrieben habe. Mein Fazit ist einfach: Es war ein gutes Jahr.
Aber was wäre ein Jahr wie dieses ohne einen abschließenden Höhepunkt? Elf Tage lagen zwischen meinem Auszugsdatum und dem Rückflug nach Deutschland, und ich denke, ich habe sie gut genutzt.
Man kann sagen, ich habe noch einmal einen weiten Bogen geschlagen: Göteborg, Kopenhagen und schließlich zu Midsommar nach Dalarna. Aber der Reihe nach: Auf Göteborg war ich besonders gespannt; ist es doch nicht nur die zweitgrößte Stadt Schwedens nach Stockholm, sondern wird allgemein auch als dessen genereller Gegenpol angesehen. Es ist ein wenig wie Sydney und Melbourne, Hamburg und Berlin oder Düsseldorf und Köln. Stockholm ist die glitzernde Metropole, hier verbringen die Reichen und Schönen ihre Zeit damit, Trends zu setzen, sich zu zeigen und den Glanz und die sehnsüchtigen Blicke der großen Welt zu genießen. Spektakuläre Attraktionen, die Verbindung ins Baltikum und nicht zuletzt die Geschichte als das schlagende Herz des Nordens prägen Stadt und Menschen. Auch wenn ich es nicht glauben wollte, man erkennt den Stockholmer an seiner modischen Kleidung, seinen überstylten Haaren und seinem Drang, der Landbevölkerung (also allen nicht - Stockholmern) einen Schritt voraus zu sein. Das diese Haltung auch auf das nahe, gelegene Uppsala abgefärbt und mir so ein etwas verfälschtes Bild des durchschnittlichen Schweden vermittelt hat, sei an dieser Stelle vorerst nur eine Randnotiz. Göteborg scheint eine Art rebellischer kleiner Bruder zu sein. Es gibt nicht so viel zu sehen, es ist nicht so schön, nicht so sauber. Aber die Leute sind stolz darauf, ihre eigene Geschichte zu haben und ihren eigenen Weg gegangen zu sein. Dieser hat zwar nicht zu Stockholms Größe geführt, dazu aber zum begründeten Ruf, bodenständig, vielfältig, liebens- und lebenswert zu sein. Und wer Subkulturen mag, wird sich vier wohl fühlen. Natürlich hatte ich in drei Tagen nur begrenzt Gelegenheit, dies zu genießen, aber gefallen hat es mir trotzdem. Besser als Stockholm? Gute Frage, dafür müsste ich wohl probewohnen. Hier ein Bericht in Bildern:
Weiter ging es nach Kopenhagen. Was soll ich sagen, die Stadt hat mich beeindruckt. Nun mag ich Städte mit viel Wasser ohnehin; aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass hier noch der Puls einer lebendigen Großstadt hinzu kam, von den bunten Häusern am Nyhavn über die Schlösser zum Stadtteil Christianshavn. Natürlich gab es jede Menge Touristen, aber irgendwie fühlte es sich trotzdem natürlich an. Gutes Essen, Reisewetter und bezaubernde Begleitung haben ihren Anteil beigebracht.
Doch auch diese schönen Tage gingen zuende, und das Mittsommer-Wochenende stand vor der Tür. So brachte mich eine lange Zugreise nach Rättvik in Dalarna. Dalarna, wörtliche übersetzt "Die Täler", ist jedner Teil Schwedens, der dem Klischeebild am besten entspricht. Rote Häuschen am See? Kleine Dörfer mit freundlichen Menschen, Wald und abgelegene Bauernhöfe: Das alles findet man dort.
So verbrachten wir viel Zeit im Grünen und am Wasser, und feierten natürlich ausgiebig Mittsommer. Mittsommer, oder schwedisch Midsommar, das ist immer am Wochenende zwischen dem 20. und 26. Juni, und besteht darin, dass in jeder Ortschaft ein Holzpfahl errichtet wird, geschmückt mit Blättern, Kränzen und typischen Symbolen. Dazu trägt man trachten, macht Volksmusik und isst Erdbeeren. Der Höhepunkt kommt natürlich erst, wenn der Pfahl komplett aufgerichtet ist, dann wird im Kreis um den Pfahl herumgetanzt, und zwar auf traditionelle Lieder. Das bekannteste ist wohl das von den kleinen Fröschen, näheres findet ihr auf der Wikipedia-Seite zu dem Lied. Dazu hüpfen dann alle, vom kleinen Kind an Mamas der Papas hand über Teenager in Punk-Kluft und Studenten auf Heimaturlaub bis hin zum alten Mütterchen um den Baum und tun so, als ob sie kleine Frösche wären.
Äquivalent gilt das natürlich auch für die Lieder von den kleinen Ferkeln, den Vögeln im Wald, den drei alten Männern und so weiter. Da gehen die sonst so distanzierten und zurückhaltenden Schweden gnaz aus sich heraus. Irgendwie war es ja klar, dass 6 Monate Dunkelheit, gefolgt von 6 Monaten Tageslicht die menschliche Psyche irgendwie beeinflussen...
Wir waren jedenfalls auf zwei solcher Feiern. Die erste war in Leksand, dem Zentrum der Gegend mit je nach Zählung 6.000 bis 15.000 Einwohnern.Die dortige Pfahlerrichtung ist ein touristisches Ereignis: 20.000 Menschen (nach Angabe des Ansagers, aber das könnte schon stimmen) versammelten sich, um zuzuschauen, zu feiern und zu tanzen. Ja, tausende Menschen, die in einem großen Pulk um einen Pfahl herumtanzen, das ist schon ein Erlebnis. Natürlich sind wir kopfüber mit ins Vergnügen gesprungen. Und man kann sich denken, dass es schon einiges Gehüpfe, Gespringe und Geschunkle kostete, um wieder am Ausgangspunkt anzukommen.
Weniger spektakulär, dafür authentischer und irgendwie heimeliger war die Feier am nächsten Tag, in einem kleinen Dorf mit roten Häusern am See.. Im Prinzip die gleiche Prozedur, nur viel kleiner: ein Ansager mit Tracht und Mikro einige Männer mit Pfählen um den Pfahl aufzurichten, und ringsherum die Einwohner. Und hinterher, ja genau, små grodarna und små grisarna. Und als krönender Abschluss des Tages waren wir zu Gast bei einer Großtante unserer Gastgeberin (welche übrigens, das sollte ich erwähnen, eine schwedische Studentin aus meiner Nation, die aus Rättvik kommt und einfach mal das ganze Fika-Kränzchen eingeladen hat). Ihr werdet es vermuten, ein 300 Jahre altes rotes Holzhaus, rechts die Kuhweide, links der See, und dazwischen eine Küche voller Rhabarberkuchen.
So rollten wir also nach einem langen Tag nach Hause...
Den Sonntag verbrachten wir mit einer Rundfahrt zu den Sehenswürdigkeiten der Region, der Produktionsstätte der Dalahästar, zu einem Wasserfall und einem Schaubauernhof (man stelle sich den Schrecken der Londoner Großstadtkinder vor, als eine Kuh frei! auf dem Parklplatz stand...). Und schon am Montag hieß es für mich Abschied nehmen, den Zug nach Stockholm zu besteigen, und nach einer weiteren Nacht dort zum Flughafen aufzubrechen.
So habe ich Schweden denn auf Wiedersehen gesagt. Ja, ich bin sicher ich werde dorthin zurückkehren. Gründe gibt es genug...
Und nun? Jetzt bin ich in Trier. Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seit meinem ersten Post in diesem Blog. Es war ein ereignisreiches Jahr, mit Höhen und Tiefen, stets voller neuer Erfahrungen, ich habe viele Menschen getroffen, interessante und uniteressante, solche die mir in Erinnerung bleiben und andere die ich vergessen werde, und einige, mit denen ich hoffentlich langfristig in Verbindung bleibe. Auf jeden Fall bleibt mir eine ganze Menge Erinnerungen, und wenn mir jetzt im Studium ein hartes Jahr bevorsteht, werde ich wohl manchmal wehmütig zurückdenken. Aber wie dem auch sei, neue Aufgaben warten! Jedenfalls danke ich für euer Interesse, ich hoffe, diesen Blog zu lesen hat euch ein bißchen Spaß gemacht, oder wenigstens ein Bild davon verschafft, was ich so getrieben habe. Mein Fazit ist einfach: Es war ein gutes Jahr.

















































































