Samstag, 27. August 2011

Östgöta - Erolgserlebnis - Gamla Uppsala - Krebsessen

Guten abend.
Heute hatte ich ein Erfolgserlebnis. Ich musste dringend zum Friseur, und habe dann auch einen gefunden. Soweit, so unspannend. Das wirklich wichtige ist, dass ich den ganzen Vorgang auf schwedisch abgewickelt habe, nicht ein englisches Wort kam über meine Lippen. Und ich habe sogar ungefähr das bekommen, was ich haben wollte (also einen Haarschnitt). Das ist doch einen Applaus wert, oder?

Außerdem habe ich gestern eine Entscheidung getroffen, die mein Leben verändern wird. Ich bin nun stolzes Mitglied der Östgöta Nation! Was mich dazu bewogen hat? Die beste Bigband der Stadt, von der ich noch nicht weiß, ob ich mitspielen darf, eine Krav Maga Gruppe, die genau zur gleichen trainiert (als Alternative sozusagen, es muss ja nicht immer Judo sein), die Laufsportgruppe (wenigstens sollte ich mit machen dürfen. Wobei, eigentlich laufe ich viel lieber allein) und das all you can eat/drink Waffel+Kaffee-Buffet. Ist das nichts? Nein, im Ernst, natürlich habe ich mehrere Nationen besucht und ausprobiert und diese hat einfach neben den (für mich) interessantesten Aktivitäten ein angenehmes Ambiente und eine angenehme Größe - 2600 Mitglieder, das ist Durchschnitt. Mal sehen, was sich da so entwickelt.

Heute hat sich der Sommer noch einmal zurückgemeldet, und so habe ich mich auf mein Fahrrad - auch bekannt als Hell's Chopper, ich werde demnächst mal ein Bild machen, bevor es wieder mal Teile verliert - gesetzt, und bin nach Gamla Uppsala rausgeradelt. Genau das, wo ich schonmal war, diesmal habe ich aber auf das Freilichtmuseum verzichtet und mir den alten Teil angeguckt, der hauptsächlich aus 3 Hügelgräbern besteht. Um diese ranken sich einige Legenden. Man weiß nicht genau, wer da liegt. Die einen Sagen, Thor, Odin und Freya, andere sprechen von den mythologischen Ynglinga-Königen Aun, Adils und Egil. Allerdings beherbegt einer der Hügel wohl das Grab einer Frau, was beide "Theorien" infrage stellt. Genauere Befunde wird es wohl nicht mehr geben, da man nach einer Ausgrabung im 19 Jhd. die Gebeine wieder vergraben hat. Heutzutage könnte man ja wenigstens Alter und Geschlecht der Herrschaften feststellen.
Aber vielleicht ist es besser, nicht zu viel zu wissen, und den Zauber des Ortes zu erhalten. Und dass es sich bei den Bestatteten um die Angehörigen einer adligen Elite - wohl Könige - handelt steht außer Frage. Und ja, seinerzeit konnten wohl auch Frauen als Regentinnen die Königswürde haben.
So, jetzt muss ich schließen, man wartet auf mich, um der Nation der Westgoten einen Besuch abzustatten.
Beste Grüße aus Uppsala.

Mittwoch, 24. August 2011

Von "Singing in the rain", Vokabeln lernen in der Sauna und tanzenden Wikingern

Guten abend wieder einmal.
Da ich morgen den ersten Teil meiner Sprachprüfung habe, will ich mich kurz fassen. Mal sehen ob das gelingt.
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, beim letzten Montag. Das Leben pendelt sich immer mehr ein zwischen lernen, Alltag, Fahrrad reparieren und feiern oder einfach in einer der Nationen nett zu abend essen. Mittlerweile füllt sich auch mein Korridor ganz gut (abgesehen von dem Raum gleich neben mir, der wohl seit 22 Jahren unbewohnt ist - angeblich liegt da noch die Zeitung von 1989), und ich mache meine ersten Schritte in schwedischer Alltagskonversation. Schritte heißt natürlich soviel wie: einen Fuß ausstrecken, nach vorne fallen lassen und gucken wo man ankommt. Metaphorisch gesprochen. Und dass man beim laufen lernen erstmal auf die Nase fällt ist wohl auch normal. Aber bis jetzt bin ich immer noch wieder aufgestanden...
Als letzten Teil des Kulturprogramms lud man uns am Donnerstag in die V-Dala Nation ein, um uns in die schwedische Musikkultur einzuführen. Prästentiert von einer lustigen Truppe aus vier Musikern wurde uns die Geschichte anhand verschiedener Beispiele nahegebracht. Es lässt sich wohl so zusammenfassen, dass sich die traditionelle Musik vom notorisch depressiven und betrunkenen Herrn Bellmann bis hin zum -ähm- notorisch depressiven und betrunkenen Hernn Vreeswijk hauptsächlich aus Trink-, Tanz-, und Spottliedern zusammensetzt. Bierzelt plus Nyckelharpa plus Todessehnsucht also. Je nach Jahreszeit.
Das zur "modernen" schwedischen Musik mehr gehört als ABBA versuchte man anhand von Glanzstücken von Europe, the Cardigans oder der (oder dem) zu recht unbekannten Robyn zu verdeutlichen. Leider fehlte mir die etwas ...sagen wir profilstärkere Seite von Opeth, Amon Amarth oder auch nur Hammerfall. Muss man ja nicht mögen, aber sie zu erwähnen hätte ja auch nicht wehgetan. Nicht mehr als das hirnlose und inhaltsfreie Popgedudel á la ...........toll, ich hab den Namen vergessen.
Ehrlich - dagegen war ABBA noch intell...intela...anstrengend.
Aber zur Versöhnung zeigte man uns die Grundzüge schwedischen Volkstanzes. Ich weiß nicht, wie man es schafft, in Bewegungen, die anscheinend Walzerdrehungen sein könnten und auch tatsächlich auf 3/4 Takt getanzt werden, noch einen vierten Schritt einbauen kann, und vor allem, warum man selbiges tun sollte?
Aber immerhin weiß ich jetzt, woher die Aussage kommt, Schweden hätten eine Neigung zum humpeln.
Aber ich will ja nicht klingen als hätte es keinen Spaß gemacht. Ich schau mal, vielleicht werde ich demnächst auch mal damit anfangen. Mit dem Tanzen, nicht mit dem Humpeln. Hoffentlich.

Das Wetter war gut zu uns. Zumindest, wenn man wie ein Landwirt denkt, der nach den trockenen Wochen dringend auf Regen gewartet hat. Ich habe es lange nicht mehr erlebt, dass das Fahrrad bis zum Tretlager im Wasser ist, wenn man durch eine Pfütze fährt, die dann auch noch die ganze Breite der Straße einnimmt. Aber irgendwie hat die Stadt auch bei diesem Wetter ihren Zauber. Und so kann man gut gelaunt durch die Spraßen spazieren und erwachsenen Menschen dabei zusehen, wie sie wie kleine Kinder voller Freude mit viel Schwung und beiden Beinen in Pfützen springen. Gern auch mit Anzughose und passenen Schuhen. Aber was solls, das Hemd is ja eh schon nass...
Bei der Gelegenheit habe ich mit dann allerdings doch enger in meine Regenjacke gehüllt und mich über die Vorteile moderner Textiltechnologie gefreut.
Wenn man sich dann wieder aufwärmen will, wird abends die hauseigene Sauna angeschmissen, ein paar Leuten bescheid gesagt und der Tag in wohltuender Wärme beendet. Und es findet sich garantiert der eine, der alle Vokabeln auf Karteikarten geschrieben mitgebracht hat, sodass man sich gegenseitig abfragt und so das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet.
Verrate ich jetzt noch, dass jenes Wechselbad aus warm und kalt sich natürlich auch mit einer Joggingrunde, die unterwegs vom beginnenden Regen unterbrochen wurde, und dem dem anhören längerer musikalischer Vorträge (s.o.) in durchweichten Klamotten verbinden lässt, wird sich der aufmerksame Leser fragen, kann das gesund sein? Die Antwort ist einfach: Nein. Aber mittlerweile sind Hals und Kopfschmerzen wieder weg, der Husten auch bald. Ich verrate nicht, welches Rezept aus unserem schwedischen Lehrbuch geholfen hat. Nur so viel: Der fragliche Text behandelte Erkältungs- und Katersymptome gleichermaßen und gab ein fiktives Gespräch zwischen drei Studenten am Sonntagmorgen wieder...
Aber trotz all dem konnte ich wie geplant am Sonntag noch einmal nach Stockholm fahren. Hier einkaufen, da fotografieren, ein wenig spazieren gehen, und natürlich ins Musikmuseum. Der treffende Name für letzteres wäre."Kinderfürmusikbegeisternindemmansieaufallemrumtrommelnlässtwasgeräuschemacht-Museum". Wirklich spannend. Nichts neues für jemanden der sich mit Instrumenten und Klangerzeugung etwas auskennt, aber absolutes Highlight für jeden, der das Spielkind in sich an Trommeln, töpfen, Metallfedern, Rohren, Kisten und was nicht sonst noch auslassen will. Und insbesondere für Drummer, aber das ist ja klar ;-)
Ich möchte da gerne mal eine ganze Band reinstecken, vielleicht kann man ja sämtliche Exponate gleichzeitig und koordiniert bespielen? Gibt es einen fähigen Arrangeur, der sich da mal dransetzen will? Ich wäre dabei...


Wer glaubt, das Leben hier wäre nun beschaulich und langweilig, der sei darauf verwiesen, dass hier gestern die Orientation-Week begonnen hat. Für alle, deren erstes Semester schon weiter zurück oder noch in der Zukunft liegt: Das ist dann, wenn Horden überforderter Neuankömmlinge in die Stadt kommen, um sich vor älteren Semestern nach allen Regeln der Kunst zu blamieren. Natürlich kommen gleichzeitig diejenigen Austauschstudenten an, die den Sprachkurs nicht mitmachen. Das gibt wiederum alten Hasen wie mir die Chance, ihren großen Schatz hart erworbener Erfahrung und Weisheit weiterzugeben und mit Sätzen wie "Cheap Lunch? That would be at one of the Nations. Which one? Probably V-Dala. No Upl...ähh Norrlands. Thats just down there by the river, then turn...whatever, you can get a map somewhere" zu glänzen. Scheue braune Rehaugen blicken einen dankbar an und man ist der Held des Tages. Oder so ähnlich.
Außerdem findet man dieser Tage in jedem Park, an jeder Ecke und auch überall sonst Horden verschiedenster Art, tanzende Wikinger, singende Feen, Fahnenschwenkende Stockholmer und ähnliches Zeug. Wo soll das noch hinführen?
Und überall wird Kubb gespielt, das lustige und unterhaltsame Spiel für die ganze Familie. Erstaunlicherweise wurde es hier tatsächlich noch nicht zum Trinkspiel umgewandelt. Aber bei gefühlt 95,63% Deutschen findet sich eigentlich immer jemand, der versucht, Flunkyball zu erklären. Parallelen sibt es ja. Es ist also wohl nur eine Frage der Zeit...

Nun ist aber wirklich Schlafenszeit, sonst schreibe ich morgen wieder nur Unsinn. In der Prüfung meine ich, in diesem Blog ist das ja schließlich Sinn der Sache.
In diesem Sinne,
Stadsbiblioteket

Gustav-Vasa-Kyrkan

S:t Engelbrektskyrkan

das Konzept des Resonanzkörpers erklärt anhand einer Surströmming-Dose
Gute Nacht, und viel Glück.

Montag, 15. August 2011

Das Land der nahen Horizonte

Guten Abend.

Es ist Montag, wieder hat eine Woche begonnen. Am Mittwoch werde ich 3 Wochen hier sein. Was ich so mache? Der Sprachkurs geht weiter, 3 Stunden am Tag, zzgl. der Zeit, die man selbser in die Nachbereitung investiert. Ich staune manchmal, wieviel mehr ich schon kann als bei meiner Ankunft, und doch muss ich im täglichen Umgang, zB im Supermarkt immer noch um Englisch bitten, mein Lehrer und meine Software sprechen dann eben doch langsamer und deutlicher. Aber ich bleibe dran, und vielleicht kann ich ja irgendwann mal meine erste schwedische Konversation führen, die über "Jag heter Ulfert. På söndag åkte jag till Stockholm. Staden är intressant." hinausgeht. Aber immerhin konnte ich neulich auf einer Party schon einen Schweden mit einem "Jag försöker att tala svenska" erfreuen.
Das nimmt also schon ein wenig Zeit in Anspruch, und abends gibt es dann eben auch die eine oder andere Party, oder die Veranstaltungen des kulturelen Begleitprogramms (s.o.): Diesmal ein Besuch in der alten Siedlung "Gamla Uppsala" (genau, das heißt übersetzt "altes Uppsala") mit Führung durch 400 Jahre alte Häuser, Kubb-Spielen und Flachsverarbeitung, und ein Filmabend in einem ausrangierten Kino ("Jalla Jalla" von Fares Fares).
Beim obligatorischen Fika mit Kanelbulle in Gamla Uppsala

auch damals schon war der Fika wichtig: den Kaffee musst man aber ca 40 min vorher planen, und rechtzeitig mit dem Rösten anfangen

IKEA?

Wer reich war, hatte eine Block-Hütte

in langen dunklen Wintern hat man gewebt...

...und das Brot in der Küche aufgehängt

Aber natürlich bemühe ich mich redlich, auch ein wenig rauszukommen und die nähere und weitere Umgebung zu bereisen.
v.l.n.r.: Schweden, Åland, Finnland
So habe ich also eine Gruppe interessierter Leute um mich geschart und mich am letzten Sonntag aufgemacht nach Åland. Die Geschichte dieser Insel ist recht interessant. Die Details spare ich mir, wichtig ist nur, dass sie lange zu Schweden gehörte, und gelegentlich mal im Rahmen von Kriegen den Besitzer gewechselt hat. Nun gehört sie zu Finnland. Man spricht hier jedoch einen schwedischen Dialekt, ist kulturell schwedisch geprägt und nicht zuletzt auch geografisch näher an Schweden gelegen. Dies hat zur Folge, dass dem Parlament der Insel weitgehende autonome Rechte zugestanden werden, neben einigen tatsächlich wichtigen auch die eher symbolischen eigener Briefmarken und einer eigenen Flagge.

Wie man sieht, war das Wetter nicht unbedingt ideal für den Besuch einer Insel, deren Hauptattraktion ihre abgelegene Idylle mit Stränden und Wäldern ist. Nach einer zweistündigen Fährfahrt (die natürlich trotzdem Spaß gemacht hat) mussten wir feststellen, dass das Wetter genauso schlecht war wie auf dem Festland - die ersten Regentage der Saison standen vor der Tür. Nichtsdestotrotz machten wir uns auf nach Mariehamn, der einzigen Stadt der Insel. Um einen langen Ausflug kurz zu beschreiben: Am Meer ist auch graues Wetter interessant, und wenn man ein ausgestorbenes, nachgebildetes Fischerdorf als Kulisse hat, kann man immer noch fotografieren. Und die Einsamkeit und Schwermut rauher skandinavischer Inseln zumindest erahnen...






Pfauen werden von Touristinfo als besondere Sehenswürdikeit gepriesen...

???








Etwas mehr Glück hatte ich an diesem Wochenende. Freundliche Menschen aus meinem Sprachkurs, die die Reise von Berlin hierher im eigenen Auto gemacht haben, boten mir an, sie auf einer Tour zu den Schlösser Gripsholm und Drottningsholm an den Ufern des Mälaren zu begleiten. Gripsholm, einst eine Ausweichresidenz der Könige zu Stockholm, ist nun wohl noch hauptsächlich durch Tucholskys gleichnahmige Erzählung bekannt (die ich zugegebenermaßen noch nicht gelesen habe, man kommt hier aber auch zu gar nichts...), und es ist natürlich ein Touristenmagnet. Es ist schön und interessant, man lernt auch einiges über die Eigenheiten verschiedener Monarchen (und insbesondere Monarchinnen). Einer meiner Favoriten ist der Theaterturm (ja, man mochte das Drama bei Familie König), dessen Backsteinmauer dem feinen Herrn nicht ebenmäßig genug war: kurzerhand wurde er verputzt und die Backsteine aufgemalt. Absolut perfekt und gleichmäßig diesmal...

rechts: der Theaterturm. Sieht völlig echt aus, oder?



Drottningholm hat eine ähnliche Geschichte hinter sich, wird aber nach wie vor von Teilen der könglichen Familie Bernadotte als Landsitz genutzt. Dementsprechend ist alles größer, weitläufiger, voller und von größeren Soldaten mit größeren Gewehren bewacht. Trotzdem kann man ca 25 Räume besichtigen, die einen groben Einblick gewähren. Es ist doch erstaunlich, was sich über die Jahre hinweg an Nippes ansammelt...
Auch hier habe ich einen Favoriten: auf einem Deckenfresko erteilt in einer Ecke ein Engel mit weißem Bart und Sense (der in mehreren Räumen auftaucht) einem kleinen Engelchen Flugunterricht. Was das bedeuten soll, ist mir aber noch verschlossen geblieben.



der chinesische Pavillion: was man seiner Frau eben so zum Geburtstag schenkt. Der ist übrigens ca 1 km Luftlinie vom Schloss entfernt. Honi soit qui mal y pense...  



Gestern schließlich hielt das Kulturprogramm schließlich die Tour nach Stockholm für uns bereit. Also wieder früh aufstehen, rein in den Bus; erster Halt: Vasamuseet. Die Vasa wurde 1628 gebaut. Sie war der Stolz der schwedischen Marine. König Gustaf Adolf selbst machte befahl Änderungen an den Bauplänen, um mit dem dänischen Flaggschiff gleichzuziehen. So entstanden außer unglaublich reichen Verzierungen, Schnitzereien und Spielereien auch ein zusätzliches Kanonendeck. Nun war Monsiour le Roi kein wirklich erfahrener Schiffsbaumeister, und so wurde wohl auf zusätzlichen Ballastraum verzichtet. Später sollten Schiffsingenieure berechnen, dass die Vasa ab einer Neigung von mehr als 6° nicht mehr in der Lage war, sich aufzurichten. In Worten: sechs Grad. Das ist wenig. Sie schaffte es nicht einmal aus dem Stockholmer Hafen: Die Jungfernfahrt war nach 1200 Metern zuende. Nach der ersten Querböe richtete sich das Schiff noch einmal auf, bei der ersten leichten Dünung legte sie sich nach Lee, die Stückpforten tauchten ein. Den Rest kann man sich vorstellen. Unter den Augen des größten Teils der Bevölkerung ging die Vasa langsam unter. Ein Boot des Admirals holte die Flaggen von den immer noch aus dem nur 40 Meter tiefen Wasser ragenden Masten.
Erst in den 1960ern wurde das Wrack geborgen, konserviert und restauriert, schließlich baute man darum herum das heutige Museum.
leider eignet sich das Museum kaum zum fotografieren
Danach gab es eine kleine Stadtrundfahrt und man führte uns durch die Altstadt ("Gamla Stan"); abschließend hatten wir noch 2 Stunden zur freien Verfügung.
"Pojke som tittar på månen", Schwedens kleinste öffentliche Statue, ist recht beliebt bei den Einheimischen (insbesondere beim nahegelegenen Kindergarten) und bekommt auch schonmal neue Kleidung. Während ich in der Altstadt unterwegs war, hat man ihn herbsttauglich ausgerüstet.


Die schmalste Straße Stockholms...
Von heute gibt es nicht viel zu erzählen, den Nachmittag habe ich mit dem Schmieden von Reisplänen, mit Einkaufen, putzen und dem Verfassen dieses Beitrags verbracht. Jetzt geht es an die Hausaufgaben...


Gute Nacht, und viel Glück.

Samstag, 6. August 2011

Uppland

Guten Abend, es ist wieder soweit, ich darf euch hier ein bißchen dessen präsentieren, was ich erlebt habe.
Es sind viele Bilder heute, damit ihr einen Eindruck bekommt, wie es hier so aussieht.

Außerdem war ich gestern abend beim Barbecue der Internationalen Studenten. Als ich nach Hause kam, war gerade ein Horde dabei, mein Wohnheim in Trümmer zu legen, es fand eine Flurparty statt. Ich war kurz da, hab dann beschlossen, dass ich keine Lust habe und mich in mein Zimmer verzogen. Ein wenig Schlaf war ja schließlich auch nachzuholen.
Hier aber erstmal die Bilder aus Uppsala:
Blick über Fyris ån auf den Dom

eine der Zugänge zur Innenstadt

St. Erikstorget


Fahrräder am Fluss, landen zu Valborg (Walpurgis) auch gerne mal darin

Anders-Celsius-Haus, heute ein hochklassiger Juwelier - man muss klingeln um reinzukommen

eine Fahrradstadt...

...mit alter Bausubstanz...


...und einem Stadtpark.






Upsala slottet


Der Dom ist in Sichtweite des Schlosses...
Genaugenommen in Feuerreichweite



Die Carolina Rediviva, die Uni-Bibliothek, beherbergt unter anderem die "Silberbibel"

und ein kleines Kino gibt es auch direkt an der Uni


...deren Hauptgebäude man hier sieht

man scheint Tierfreundlich zu sein in Uppsala

Die Nationenhäuser sind in direkter Nachbarschaft von Dom und Uni - hier Göteborgs Nation

aber so kann es auch aussehen

abendliche Blicke von meinem Dach, man erkennt Dom und Schloss in gut 3km Entfernung


Soviel also zur Stadt. Heute hielt das Kulturprogramm, das unseren Sprachkurs begleitet, einen Ausflug ins Umland für uns bereit, zu den eher abgelegenen Sehenswürdigkeiten der Provinz Uppland.
Zunächst, von Uppsala noch gut zu erreichen, die Sommerresidenz des Carl von Linné. Dieser war Professor in Uppsala und wurde für seine Verdienste um die Naturwissenschaften geadelt. Daraufhin baute er sich eine Standesgemäße Residenz. Das bereits vorhandene - wohlhabende - Bauernhaus blieb als Wirtschaftsgebäude erhalten, während der Hauptbau zweistöckig und mit einer übertriebenen Fensterfläche ausgestattet war. Zum Anwesen gehört auch ein verwilderter Garten, eine Gedenkstätte für einen seiner Studenten, der beim Versuch, in Sibirien Pflanzen zu sammeln aufgegessen wurde und eine Unterrichts- und Lagerhütte, in der Materialien flut-, feuer- und blitzsicher aufbewahrt wurden.
Interessant auch gewisse Einblicke in den Charakter des Meisters: er war so selbstbewusst wie streitbar: Nicht nur fanden sich in seinem Besitz 54 Ölbilder seines Portraits (5 davon hängen noch heute im Schlafzimmer seiner Ehefrau - nur eines von ihr, und das erzwungenermassen, weil man schlecht nur seine Hälfte des Hochzeitbilds aufhängen konnte), von den damals 4000 Einwohnern Uppsalas verbanden ihn laut Akten mit insgesamt 800 Rechtsstreitigkeiten...








Skokloster ist ein wirklich interessanter Ort. Das beeindruckendste daran ist die Tatsache, dass man zwei Schlösser gleich nebeneinander hat, und zwar durch eine Allee voneinander getrennt. Das ältere wurde von einem erfolgreichen General der schwedischen Armee gebaut, für damalige Verhältnisse wohl ein beeindruckendes Bauwerk. Sein Sohn war noch erfolgreicher, hatte die richtigen Freunde (einer davon wurde später König von Schweden) militärisches und diplomatisches Geschick im 30-jährigen Krieg) und vor allem Streit mit seinem Vater. Es ging dabei um eine Frau. Die Tatsache, dass der alte Herr entschieden hatte, die für seinen Sohn ausgesuchte Braut selbst zu heiraten und diese dann noch kurz darauf im Kindbett starb, wirkte sich negativ auf die Vater-Sohn beziehung aus. So nahm letztere deutlich unter seinem Stand eine Baroness zur Braut und baute sich - nachdem er seinen Vater beerbt hatte - ein eigenes Schloss im Stil dessen, was man auf dem Kontinent zu haben pflegte...und dagegen sieht das alte Schloss wie eine Scheune aus.
das alte Schloss
und dazu das neue dazu


eine Kirche hat man auch zu haben



Das Schloss ist angeblich noch im Originalzustand, es wurde nichts restauriert, nur konserviert. Und da mitten im Ausbau des Festsaales das Geld ausging (die Krone hatte eine effektive Methode gefunden, den Adligen zuvor geschenktes Geld wieder anzunehmen), ist die Baustelle noch wie an dem Tag, an dem sie verlassen wurde. Inklusiver alter Werkzeuge, Gerüste und ähnlichem. Kameras sind dort aber leider verboten.

Zum Schluss noch Sigtuna, einer mittelalterlichen Ansiedlung am Mälarenufer. Sie entstand auf dem Reißbrett, weil der König nach seiner Taufe in der noch heidnischen Hauptstadt nicht gern gesehen war. 140 Haushalte begleiteten ihn, und so entstand ein kleines Städtchen, ass aber einige Jahrzehnte lang Regierungssitz war. Da man sich auf dem Kontinent das Konzept der christlichen Krönung abgeschaut hatte, aber niemand dem unzivilisierten Wikingerhäuptling erklärt hatte, dass man eine Kirche auch wiederverwenden kann, finden sich insgesamt neun Ruinen um die Siedlung verteilt...

S:t Pers




Schwedens kleinstes Rathaus, die linke Hälfte war Polizeistation
Soviel für heute, moren muss ich früh raus.
Hejdå!