Guten Abend.
Es ist Montag, wieder hat eine Woche begonnen. Am Mittwoch werde ich 3 Wochen hier sein. Was ich so mache? Der Sprachkurs geht weiter, 3 Stunden am Tag, zzgl. der Zeit, die man selbser in die Nachbereitung investiert. Ich staune manchmal, wieviel mehr ich schon kann als bei meiner Ankunft, und doch muss ich im täglichen Umgang, zB im Supermarkt immer noch um Englisch bitten, mein Lehrer und meine Software sprechen dann eben doch langsamer und deutlicher. Aber ich bleibe dran, und vielleicht kann ich ja irgendwann mal meine erste schwedische Konversation führen, die über "Jag heter Ulfert. På söndag åkte jag till Stockholm. Staden är intressant." hinausgeht. Aber immerhin konnte ich neulich auf einer Party schon einen Schweden mit einem "Jag försöker att tala svenska" erfreuen.
Das nimmt also schon ein wenig Zeit in Anspruch, und abends gibt es dann eben auch die eine oder andere Party, oder die Veranstaltungen des kulturelen Begleitprogramms (s.o.): Diesmal ein Besuch in der alten Siedlung "Gamla Uppsala" (genau, das heißt übersetzt "altes Uppsala") mit Führung durch 400 Jahre alte Häuser, Kubb-Spielen und Flachsverarbeitung, und ein Filmabend in einem ausrangierten Kino ("Jalla Jalla" von Fares Fares).
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| Beim obligatorischen Fika mit Kanelbulle in Gamla Uppsala |
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| auch damals schon war der Fika wichtig: den Kaffee musst man aber ca 40 min vorher planen, und rechtzeitig mit dem Rösten anfangen |
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| IKEA? |
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| Wer reich war, hatte eine Block-Hütte |
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| in langen dunklen Wintern hat man gewebt... |
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| ...und das Brot in der Küche aufgehängt |
Aber natürlich bemühe ich mich redlich, auch ein wenig rauszukommen und die nähere und weitere Umgebung zu bereisen.
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| v.l.n.r.: Schweden, Åland, Finnland |
So habe ich also eine Gruppe interessierter Leute um mich geschart und mich am letzten Sonntag aufgemacht nach
Åland. Die Geschichte dieser Insel ist recht interessant. Die Details spare ich mir, wichtig ist nur, dass sie lange zu Schweden gehörte, und gelegentlich mal im Rahmen von Kriegen den Besitzer gewechselt hat. Nun gehört sie zu Finnland. Man spricht hier jedoch einen schwedischen Dialekt, ist kulturell schwedisch geprägt und nicht zuletzt auch geografisch näher an Schweden gelegen. Dies hat zur Folge, dass dem Parlament der Insel weitgehende autonome Rechte zugestanden werden, neben einigen tatsächlich wichtigen auch die eher symbolischen eigener Briefmarken und einer eigenen Flagge.
Wie man sieht, war das Wetter nicht unbedingt ideal für den Besuch einer Insel, deren Hauptattraktion ihre abgelegene Idylle mit Stränden und Wäldern ist. Nach einer zweistündigen Fährfahrt (die natürlich trotzdem Spaß gemacht hat) mussten wir feststellen, dass das Wetter genauso schlecht war wie auf dem Festland - die ersten Regentage der Saison standen vor der Tür. Nichtsdestotrotz machten wir uns auf nach Mariehamn, der einzigen Stadt der Insel. Um einen langen Ausflug kurz zu beschreiben: Am Meer ist auch graues Wetter interessant, und wenn man ein ausgestorbenes, nachgebildetes Fischerdorf als Kulisse hat, kann man immer noch fotografieren. Und die Einsamkeit und Schwermut rauher skandinavischer Inseln zumindest erahnen...
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| Pfauen werden von Touristinfo als besondere Sehenswürdikeit gepriesen... |
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| ??? |
Etwas mehr Glück hatte ich an diesem Wochenende. Freundliche Menschen aus meinem Sprachkurs, die die Reise von Berlin hierher im eigenen Auto gemacht haben, boten mir an, sie auf einer Tour zu den Schlösser Gripsholm und Drottningsholm an den Ufern des Mälaren zu begleiten. Gripsholm, einst eine Ausweichresidenz der Könige zu Stockholm, ist nun wohl noch hauptsächlich durch Tucholskys gleichnahmige Erzählung bekannt (die ich zugegebenermaßen noch nicht gelesen habe, man kommt hier aber auch zu gar nichts...), und es ist natürlich ein Touristenmagnet. Es ist schön und interessant, man lernt auch einiges über die Eigenheiten verschiedener Monarchen (und insbesondere Monarchinnen). Einer meiner Favoriten ist der Theaterturm (ja, man mochte das Drama bei Familie König), dessen Backsteinmauer dem feinen Herrn nicht ebenmäßig genug war: kurzerhand wurde er verputzt und die Backsteine aufgemalt. Absolut perfekt und gleichmäßig diesmal...
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| rechts: der Theaterturm. Sieht völlig echt aus, oder? |
Drottningholm hat eine ähnliche Geschichte hinter sich, wird aber nach wie vor von Teilen der könglichen Familie Bernadotte als Landsitz genutzt. Dementsprechend ist alles größer, weitläufiger, voller und von größeren Soldaten mit größeren Gewehren bewacht. Trotzdem kann man ca 25 Räume besichtigen, die einen groben Einblick gewähren. Es ist doch erstaunlich, was sich über die Jahre hinweg an Nippes ansammelt...
Auch hier habe ich einen Favoriten: auf einem Deckenfresko erteilt in einer Ecke ein Engel mit weißem Bart und Sense (der in mehreren Räumen auftaucht) einem kleinen Engelchen Flugunterricht. Was das bedeuten soll, ist mir aber noch verschlossen geblieben.
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| der chinesische Pavillion: was man seiner Frau eben so zum Geburtstag schenkt. Der ist übrigens ca 1 km Luftlinie vom Schloss entfernt. Honi soit qui mal y pense... | | |
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Gestern schließlich hielt das Kulturprogramm schließlich die Tour nach Stockholm für uns bereit. Also wieder früh aufstehen, rein in den Bus; erster Halt: Vasamuseet. Die Vasa wurde 1628 gebaut. Sie war der Stolz der schwedischen Marine. König Gustaf Adolf selbst machte befahl Änderungen an den Bauplänen, um mit dem dänischen Flaggschiff gleichzuziehen. So entstanden außer unglaublich reichen Verzierungen, Schnitzereien und Spielereien auch ein zusätzliches Kanonendeck. Nun war Monsiour le Roi kein wirklich erfahrener Schiffsbaumeister, und so wurde wohl auf zusätzlichen Ballastraum verzichtet. Später sollten Schiffsingenieure berechnen, dass die Vasa ab einer Neigung von mehr als 6° nicht mehr in der Lage war, sich aufzurichten. In Worten: sechs Grad. Das ist wenig. Sie schaffte es nicht einmal aus dem Stockholmer Hafen: Die Jungfernfahrt war nach 1200 Metern zuende. Nach der ersten Querböe richtete sich das Schiff noch einmal auf, bei der ersten leichten Dünung legte sie sich nach Lee, die Stückpforten tauchten ein. Den Rest kann man sich vorstellen. Unter den Augen des größten Teils der Bevölkerung ging die Vasa langsam unter. Ein Boot des Admirals holte die Flaggen von den immer noch aus dem nur 40 Meter tiefen Wasser ragenden Masten.
Erst in den 1960ern wurde das Wrack geborgen, konserviert und restauriert, schließlich baute man darum herum das heutige Museum.
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| leider eignet sich das Museum kaum zum fotografieren |
Danach gab es eine kleine Stadtrundfahrt und man führte uns durch die Altstadt ("Gamla Stan"); abschließend hatten wir noch 2 Stunden zur freien Verfügung.
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| "Pojke som tittar på månen", Schwedens kleinste öffentliche Statue, ist recht beliebt bei den Einheimischen (insbesondere beim nahegelegenen Kindergarten) und bekommt auch schonmal neue Kleidung. Während ich in der Altstadt unterwegs war, hat man ihn herbsttauglich ausgerüstet. |
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| Die schmalste Straße Stockholms... |
Von heute gibt es nicht viel zu erzählen, den Nachmittag habe ich mit dem Schmieden von Reisplänen, mit Einkaufen, putzen und dem Verfassen dieses Beitrags verbracht. Jetzt geht es an die Hausaufgaben...
Gute Nacht, und viel Glück.
Junge, iss mehr Kanelbullar, du wirst zu dünn!!
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