Mittwoch, 3. August 2011

von Öl, Fika, Staubsaugern und fermentiertem Fisch: Kulinarisches

Der Schwede trinkt (entschuldigt bitte den uralten Witz) Öl. Am besten Starköl. Leider wurde die Ölkannen-Familie vom System getrennt: Während man die schwächeren Brüder im Supermarkt stehen dürfen, wird Starköl - wie alles über 3,5% unter Verschluss gehalten. Man muss dafür in ein Systembolag, eine Filiale der staatlichen Gesellschaft, die das Monopol auf den Alkoholverkauf hat. Mit der Monopolstellung und der dahinterstehenden Politik gehen hohe Preise einher, mit den eher eingeschränkten Öffnungszeiten ein Einkaufsverhalten, dass am Samstagmittag an prä-katastrophale Hamsterkäufe erinnert. Ob das wirklich Sinn der Sache war?

Nun zum wirklich wichtigen: Fika ist zentraler Bestandteil der Kultur. Es handelt sich dabei um die Institution des Kaffeetrinkens, wobei das inoffizielle Nationalgetränk immer von Gebäck oder Kuchen (Kaka) begleitet wird. Sonst ist es kein Fika. Eigentlich wollte ich hier klassische Kanelbullar zeigen, die sind aber heute dem großen Kanelbullar-Monster zum Opfer gefallen. Fika  ist übrigens nicht an die Tageszeit gebunden und wird als Morgenkaffee ebenso zelebriert wie nachmittags, mittags, abends oder wann auch immer. Die Konnotationen reichen dabei von einer simplen Pause über ein Date, ein Nicht-Date, einen Vorwand nicht zu arbeiten, unverbindliche Sozialisierung, Zeitvertreib und Kontaktpflege,  bis hin zu einfach-nur-Fika.
Eine Alternative besteht in sogenannten Staubsaugern. Das ist, was der Name "Dammsugare" eigentlich heißt. Angeblich sehen sie so aus. Ich zweifle noch, aber vielleicht sieht ja ein IKEA-Staubsauger tatsächlich so aus.

Interessant auch die Ausblicke, die uns während einer Einführung in die schwedische Ess- und Trinkkultur gestern nachmittag zuteil wurden. Neben Rentierschinken, Köttbullar med Lingonsylt und Messmör auf Knäckebröd waren auch so zweifelhafte Genüsse wie gravadlax auf der Speisekarte. Man sagt der Name käme davon, dass man den toten Fisch begräbt; und zwar in einer Salz-Zucker-Lake.
Der ultimative Schritt ist allerdings der Surströmming: Heringe aus der nördlichen Ostsee werden in einer speziellen Salztunke vergraben, nach mindestens einem Jahr Fermentation wieder rausgeholt und dann in Dosen verpackt. Diese füllt man noch mit Wasser, um den Geruch einzudämmen. Es wird empfohlen, Surströmming nur im Freien zu genießen. Wenn man dabei nicht durch die Nase atmet, soll er sogar essbar sein.

Und wie Elchgulasch schmeckt, erfahrt ihr auch irgendwann.
Zum Abschluss gibt es noch ein Foto vom See, an dem ich meinen Nachmittag verbracht habe.

Bis dahin erstmal viele Grüße,
Ulfert

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