Montag, 1. August 2011

Flogsta






So, da bin ich, es hat ein paar Tage gedauert, aber jetzt komme ich dazu, mich zu melden. Nach einer ereignislosen Anreise habe ich mich über das sonnige warme Wetter gefreut. Aber nicht lange, den es war noch einiges an Weg zurückzulegen, bevor ich in meinem Zimmer ankam, aber zum Glück gibt es Busse, und ich musste mein Gepäck nicht kilometerweit hinter mir herziehen.
Mein Zimmer, dass ist ein ca 16 qm großer Raum im Wohnheim Flogsta. Ich habe mein eigenes Badezimmer, die Küche wird gemeinsam pro Korridor genutzt. Ein Korridor wird dabei normalerweise von 12 Leuten bewohnt. Da das Semester aber erst Ende August anfängt, bewohne ich den Flur (der übrigens vergleichsweise sauber ist) derzeit nur mit einem Kollegen aus Kalifornien, der am gleichen Tag eingezogen ist und ebenfalls den Sprachkurs besucht. Es ist also ziemlich ruhig hier. Das wird sich wohl ändern, wenn die Massen hier einfallen, und die ganze Wohnanlage - eher ein kleiner Stadtteil - von fünfmal so vielen Leuten bewohnt wird. Immerhin nimmt auch nur ein kleiner Teil der Austauschstudenten am Sprachkurs teil, wir sind derzeit 140 Leute, davon 100 Europäer, der Rest von überall sonst (allerdings gefühlte 85 % Kalifornier, die sind einfach überall und rotten sich schlagartig zusammen. No offense guys ;-) ).
Ich nehme an, dass die Rooftop-Parties dann schlagartig zunehmen werden. Man hört, dass es dabei teils ziemlich wild zugeht. Heiß diskutiert wird dabei im Moment der Sinn des Werfens brennender Sofas vom Dach. Ich bin da skeptisch, aber wie es scheint heizt das die Stimmung an. Ich bevorzuge jedenfalls die Sauna, die auch auf dem Dach ist. Bis jetzt war es dafür zu warm, aber spätestens, wenn der Herbst kommt, werde ich da wohl regelmäßiger Gast sein.

Aber wie gesagt, noch ist alles ruhig, und geht man durch die Stadt, erkennt man die Austausch-Studenten entweder daran, dass sie hilflos durch die Straße stolpern, auf der Suche nach einer Buchhandlung oder dem dann meist schon längst geschlossenen Systembolaget (nennt man in anderen, weniger zivilisierten Ländern "Liquor Store" oder "Bottle Shop", werden in Schweden vom Staat betrieben). Oder aber sie ziehen als marodierende Horden durch die Straße. Die Plünderungen beschränken sich dann aber in der Regel auf letztgenannten Systembolaget oder den örtlichen IKEA.
Insbesondere gegen Abend ist es eine sichere Wette zu sagen, dass der entsprechende Haufen (von den Einheimischen meist recht skeptisch beäugt) auf dem Weg zum Gebäude einer "Nation" sind. Diese Landsmannschaften bilden das Herzstück des studentischen Lebens. Früher trat man als Student stets in die Nation ein, die die eigene Region vertrat, also Stockholm, Uppland, Gotland, Göteborg, Westerland und wie sie alle heißen, es sind 13 an der Zahl. Heute ist die Wahl ziemlich frei (für Ausländer natürlich sowieso), man richtet sich also nach Geschmack und Neigung. Will man im Barockgebäude in einem Chor singen und abends im hauseigenen Club zu Hiphop zucken oder lieber im 70er-Jahre Beton Fußball spielen und Rockmusik hören? Die Möglichkeiten erscheinen vielfältig. Dementsprechend habe ich mich auch noch nicht entschieden. Wahrscheinlich werde ich es bei der mit der hauseigenen Bigband probieren. Ich halte euch gern auf dem Laufenden.

Uppsala ist übrigens eine niedliche Kleinstadt (so niedlich wie fast alles in diesem Land, die Sprache, die Häuser etc.) die sich für Schwedens eigentliche Hauptstadt hält. Zugegeben, man war es einmal. Wirklich. Versprochen. Warum sonst sollte Gustav Vasa hier begraben sein, gleich neben Carl von Linné. Und Wikingergräber gibts hier auch. Aber niedlich ist es trotzdem.

Die Tage habe ich mit dem verbracht, was man in solchen Situationen halt tut. Feiern, Leute kennenlernen, weiterfeiern, bei IKEA einkaufen, zum Sprachkurs gehen (diese Sprache bringt mich immer zum strahlen...), im See baden (ja, das geht hier, es ist ziemlich sonnig), und ein Fahrrad suchen. Letzteres ist ein Problem, jeder will eins haben, und wer eins hat will es behalten. Es gibt erstaunlich dicke Schlösser hier, an erstaunlich klapprigen Metallkonstruktionen, die von Sehr viel Rost zusammengehalten werden. Naja, hauptsache Licht ist dran. Schließlich wirds im Winter dunkel.
Ich werde meins am Dienstag kriegen, es ist schwarz, relativ neu und hat Totenköpfe dran. Ist auch irgendwie im Low-Rider Stil gehalten, das wird bestimmt ein Spaß ohne Gangschaltung. Aber man nimmt was man kriegen kann...

So jetzt mache ich erstmal Schluss, ich muss morgen früh raus und ein paar klare schwedische Sätze auf die Reihe kriegen.

Vad heter du? Jag heter Ulfert.
Jaha, varifrån kommer du? Jag kommer  från Tyskland.

und so weiter. Niedlich, oder?

2 Kommentare:

  1. Ich steh auf niedlich :D

    Ist Gustav Vasa eigentlich der Typ vom Knäckebröd? :)

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  2. Gustav Vasa war der erste König der Vasa-Dynastie, eigentlich der erste richtige König von Schweden, nachdem er den Dänen ordentlich einen vor den Hörnerhelm gehauen hat.
    Vielleicht hat er dazu eine Knäckebröd benutzt...

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