Da ich morgen den ersten Teil meiner Sprachprüfung habe, will ich mich kurz fassen. Mal sehen ob das gelingt.
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, beim letzten Montag. Das Leben pendelt sich immer mehr ein zwischen lernen, Alltag, Fahrrad reparieren und feiern oder einfach in einer der Nationen nett zu abend essen. Mittlerweile füllt sich auch mein Korridor ganz gut (abgesehen von dem Raum gleich neben mir, der wohl seit 22 Jahren unbewohnt ist - angeblich liegt da noch die Zeitung von 1989), und ich mache meine ersten Schritte in schwedischer Alltagskonversation. Schritte heißt natürlich soviel wie: einen Fuß ausstrecken, nach vorne fallen lassen und gucken wo man ankommt. Metaphorisch gesprochen. Und dass man beim laufen lernen erstmal auf die Nase fällt ist wohl auch normal. Aber bis jetzt bin ich immer noch wieder aufgestanden...
Als letzten Teil des Kulturprogramms lud man uns am Donnerstag in die V-Dala Nation ein, um uns in die schwedische Musikkultur einzuführen. Prästentiert von einer lustigen Truppe aus vier Musikern wurde uns die Geschichte anhand verschiedener Beispiele nahegebracht. Es lässt sich wohl so zusammenfassen, dass sich die traditionelle Musik vom notorisch depressiven und betrunkenen Herrn Bellmann bis hin zum -ähm- notorisch depressiven und betrunkenen Hernn Vreeswijk hauptsächlich aus Trink-, Tanz-, und Spottliedern zusammensetzt. Bierzelt plus Nyckelharpa plus Todessehnsucht also. Je nach Jahreszeit.
Das zur "modernen" schwedischen Musik mehr gehört als ABBA versuchte man anhand von Glanzstücken von Europe, the Cardigans oder der (oder dem) zu recht unbekannten Robyn zu verdeutlichen. Leider fehlte mir die etwas ...sagen wir profilstärkere Seite von Opeth, Amon Amarth oder auch nur Hammerfall. Muss man ja nicht mögen, aber sie zu erwähnen hätte ja auch nicht wehgetan. Nicht mehr als das hirnlose und inhaltsfreie Popgedudel á la ...........toll, ich hab den Namen vergessen.
Ehrlich - dagegen war ABBA noch intell...intela...anstrengend.
Aber zur Versöhnung zeigte man uns die Grundzüge schwedischen Volkstanzes. Ich weiß nicht, wie man es schafft, in Bewegungen, die anscheinend Walzerdrehungen sein könnten und auch tatsächlich auf 3/4 Takt getanzt werden, noch einen vierten Schritt einbauen kann, und vor allem, warum man selbiges tun sollte?
Aber immerhin weiß ich jetzt, woher die Aussage kommt, Schweden hätten eine Neigung zum humpeln.
Aber ich will ja nicht klingen als hätte es keinen Spaß gemacht. Ich schau mal, vielleicht werde ich demnächst auch mal damit anfangen. Mit dem Tanzen, nicht mit dem Humpeln. Hoffentlich.
Das Wetter war gut zu uns. Zumindest, wenn man wie ein Landwirt denkt, der nach den trockenen Wochen dringend auf Regen gewartet hat. Ich habe es lange nicht mehr erlebt, dass das Fahrrad bis zum Tretlager im Wasser ist, wenn man durch eine Pfütze fährt, die dann auch noch die ganze Breite der Straße einnimmt. Aber irgendwie hat die Stadt auch bei diesem Wetter ihren Zauber. Und so kann man gut gelaunt durch die Spraßen spazieren und erwachsenen Menschen dabei zusehen, wie sie wie kleine Kinder voller Freude mit viel Schwung und beiden Beinen in Pfützen springen. Gern auch mit Anzughose und passenen Schuhen. Aber was solls, das Hemd is ja eh schon nass...
Bei der Gelegenheit habe ich mit dann allerdings doch enger in meine Regenjacke gehüllt und mich über die Vorteile moderner Textiltechnologie gefreut.
Wenn man sich dann wieder aufwärmen will, wird abends die hauseigene Sauna angeschmissen, ein paar Leuten bescheid gesagt und der Tag in wohltuender Wärme beendet. Und es findet sich garantiert der eine, der alle Vokabeln auf Karteikarten geschrieben mitgebracht hat, sodass man sich gegenseitig abfragt und so das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet.
Verrate ich jetzt noch, dass jenes Wechselbad aus warm und kalt sich natürlich auch mit einer Joggingrunde, die unterwegs vom beginnenden Regen unterbrochen wurde, und dem dem anhören längerer musikalischer Vorträge (s.o.) in durchweichten Klamotten verbinden lässt, wird sich der aufmerksame Leser fragen, kann das gesund sein? Die Antwort ist einfach: Nein. Aber mittlerweile sind Hals und Kopfschmerzen wieder weg, der Husten auch bald. Ich verrate nicht, welches Rezept aus unserem schwedischen Lehrbuch geholfen hat. Nur so viel: Der fragliche Text behandelte Erkältungs- und Katersymptome gleichermaßen und gab ein fiktives Gespräch zwischen drei Studenten am Sonntagmorgen wieder...
Aber trotz all dem konnte ich wie geplant am Sonntag noch einmal nach Stockholm fahren. Hier einkaufen, da fotografieren, ein wenig spazieren gehen, und natürlich ins Musikmuseum. Der treffende Name für letzteres wäre."Kinderfürmusikbegeisternindemmansieaufallemrumtrommelnlässtwasgeräuschemacht-Museum". Wirklich spannend. Nichts neues für jemanden der sich mit Instrumenten und Klangerzeugung etwas auskennt, aber absolutes Highlight für jeden, der das Spielkind in sich an Trommeln, töpfen, Metallfedern, Rohren, Kisten und was nicht sonst noch auslassen will. Und insbesondere für Drummer, aber das ist ja klar ;-)
Ich möchte da gerne mal eine ganze Band reinstecken, vielleicht kann man ja sämtliche Exponate gleichzeitig und koordiniert bespielen? Gibt es einen fähigen Arrangeur, der sich da mal dransetzen will? Ich wäre dabei...
Wer glaubt, das Leben hier wäre nun beschaulich und langweilig, der sei darauf verwiesen, dass hier gestern die Orientation-Week begonnen hat. Für alle, deren erstes Semester schon weiter zurück oder noch in der Zukunft liegt: Das ist dann, wenn Horden überforderter Neuankömmlinge in die Stadt kommen, um sich vor älteren Semestern nach allen Regeln der Kunst zu blamieren. Natürlich kommen gleichzeitig diejenigen Austauschstudenten an, die den Sprachkurs nicht mitmachen. Das gibt wiederum alten Hasen wie mir die Chance, ihren großen Schatz hart erworbener Erfahrung und Weisheit weiterzugeben und mit Sätzen wie "Cheap Lunch? That would be at one of the Nations. Which one? Probably V-Dala. No Upl...ähh Norrlands. Thats just down there by the river, then turn...whatever, you can get a map somewhere" zu glänzen. Scheue braune Rehaugen blicken einen dankbar an und man ist der Held des Tages. Oder so ähnlich.
Außerdem findet man dieser Tage in jedem Park, an jeder Ecke und auch überall sonst Horden verschiedenster Art, tanzende Wikinger, singende Feen, Fahnenschwenkende Stockholmer und ähnliches Zeug. Wo soll das noch hinführen?
Und überall wird Kubb gespielt, das lustige und unterhaltsame Spiel für die ganze Familie. Erstaunlicherweise wurde es hier tatsächlich noch nicht zum Trinkspiel umgewandelt. Aber bei gefühlt 95,63% Deutschen findet sich eigentlich immer jemand, der versucht, Flunkyball zu erklären. Parallelen sibt es ja. Es ist also wohl nur eine Frage der Zeit...
Nun ist aber wirklich Schlafenszeit, sonst schreibe ich morgen wieder nur Unsinn. In der Prüfung meine ich, in diesem Blog ist das ja schließlich Sinn der Sache.
In diesem Sinne,
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