Mittwoch, 14. September 2011

Krebse im Anzug und warum habe ich die eigentlich schon im letzten Titel erwähnt?

Hallo mal wieder,
lange nichts gehört? Das liegt daran, dass hier wirklich langsam der Alltag einkehrt. Das heißt, es gibt weniger zu erzählen, und mehr für die Uni zu tun. Mein Sprachkurs ist seit mittlerweile 2 Wochen zuende, leider habe ich trotz bestandener Prüfung keinen Platz im weiterführenden Kurs gekriegt, es gab einfach zu wenige. Und mit ausschließlich englischsprachigen, international ausgerichteten Kursen hatte ich auch keine Priorität. Das heißt, ich muss mein Schwedisch auf andere Art vertiefen. Dabei helfen mir hoffentlich meine Mitbewohnerinnen (auch wenn bisherige Versuche meistens eher in völliger Verwirrung geendet haben) und meine Bigband. Ja, ihr habt richtig gelesen, ich bin in der Bigband der Östgöta Nation. Der erste Versuch war ein Treffer. Ich war bis jetzt bei einer Probe, und hatte jede Menge Spaß. Ich denke, hier werde ich mich bis auf weiteres wohlfühlen.
Mein Völkerrechtskurs hat auch schon begonnen. Hätte ich gehofft, aufgrund meiner Vorkenntnisse in diesem Bereich eine ruhige Kugel schieben zu können, hätte ich mich geirrt. Die Themen sind mir zwar zu großen Teilen bekannt, jedoch setzt mein hiesiger Professor ganz andere Schwerpunkte. So beschäftigen wir uns bislang weniger mit der konkreten Anwendung als mit den rechtstheoretischen und -philosophischen sowie politischen Grundlagen des Völkerrechts. Allerdings sind die Lehrmethoden sehr praktisch orientiert, statt Vorlesungen haben wir fast nur Seminare in Form von Präsentationen, Diskussions- und Fragerunden sowie simulierte Vertrags- und Gerichtsverhandlungen. Ihr seht, alles in allem sehr spannend, allerdings auch sehr arbeitsintensiv. So kann es denn auch vorkommen, dass ich zwar nur zwei Veranstaltungen in einer Woche habe, aber trotzdem jeden Tag stundenlang mit der Vorbereitung beschäftigt bin. Aber schließlich bin ich ja nicht zum Spaß hier...

A propos Spaß: Was passiert, wenn man die schwedische Tradition der Krebsparty (man setzt sich bunte Papierhüte auf, stellt einen Tisch auf die Wiese, lädt Freunde ein und spachtelt Unmengen von Kräftor die dann mit snaps runtergespült werden) mit der studentischen Tradition der Gask (ein traditionelles Abendessen in den Nationen, der Anzug ist dunkel und das Kleid mindestens knielang - und das mit gutem Grund) mischt? Richtig, eine Kräftgask. Der Dresscode ist weniger formell, das heißt auch ein Sakko geht durch. Interessanterweise haben gerade die erfahrenen Herren die Krawatte durch eine Fliege ersetzt, was nicht so recht zu passen schien. Der Sinn dahinter wurde mir klar, als ich meinen ersten Krebs zerlegte. Die Biester sind einfach unglaublich wässrig (jetzt lacht nicht, das war das erste Mal, dass ich die gegessen habe), und es spritzt...
Alle paar Minuten springt der Sangesmeister (ich habe vergessen wie der Titel richtig heißt, beim nächsten Mal werde ich es mir merken) auf und stimmt ein Trinklied an. Davon gibt es viele, Jede Nation hat ihr eigenes Gesangbuch, und tatsächlich wird meistens einfach die Seite angesagt. Allerdings kennt man wohl die beliebtesten Lieder irgendwann auswendig. Helan går...
Gesungen wird auf den König, die Liebe, die Triebe, den Schnaps und das gescheiterte Referenum zur Alkoholprohibition 1922 (?). Wenn das Lied zuende ist (bei manchen auch an extra dafür vorgesehenen Pausen im Lied) wird geprostet und ein Schluck Schnaps genommen. Und nur dann - wer sein Glas zwischendurch erhebt, begeht einen schweren Schnitzer und beleidigt Gastgeber und Tischnachbarn gleichermaßen. Beim Prosten wird das Glas bis zur Brust erhoben "Skål" gesagt, in der vorgeschrieben Reihenfolge den Nachbarn in die Augen geschaut (Herren: rechts links mitte, Damen andersherum - man will sich ja nicht auf den Hinterkopf schauen) getrunken, das Glas wieder gehalten, ein weiterer Blick in die Runde und abstellen. Bitte die Gläser nicht anstoßen. Für Wasser und Bier gilt das nicht, das darf jederzeit genossen werden, wobei natürlich der Blick in die Augen nicht verboten ist. Man will ja was vom Abend haben.
So entfaltet sich den der Abend mit Essen, komödiantischen Einlagen und Musik. Die motorischen Fähigkeiten werden zum Ende hin noch einmal getestet, wenn man plötzlich anfängt, beim Singen Sport zu treiben. Schunkeln nach links und rechts, dann nch vorne und hinten (das sieht besonders bescheuert aus), ein paar mal aufstehen und wieder hinsetzen, und ganz am Schluss steht man auf dem Stuhl und singt. Jetzt macht auch die Vorschrift knielanger Röcke Sinn.  
Und wenn dann alle heil wieder runtergeklettert sind, wird immer noch singend wieder der Arm des Nachbarn genommen und eingehakt in einer langen Kette der Saal verlassen. Und rauf auf die Tanzfläche...


Natürlich habe ich nicht nur gegessen getrunken udn getanzt. Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, nach Falun zu fahren, einem Ort ein Stückchen nordwestlich von hier, der durch seine Kupfermine reich und begannt geworden ist. Hier kommt auch die rote Farbe her, die für schwedische Häuser zu typisch ist. Die Pigmente werden aus dem Abraum gewonnen.









Am Samstag fand hier in Uppsala die Kulturnacht statt.






Und von Sonntag bis gestern war ich in Helsinki. Eine schöne, wenn auch in meinen Augen nicht besondere Stadt, vielleicht angenehmer bei schönem Wetter. Gewohnt haben wir im Stadion Hostel im Olympiastadion, außerdem das Apocalyptica-Konzert am Montagabend besucht. Es war seltsam, diese Band, die ich beim letzten Mal auf einem Open Air Festival auf einem Flugplatz gesehen habe, in einem Konzertsaal zu sehen. Und das Publikum erst...

im Sibeliuspark


Nationalmuseum

Kathedrale

Seefestung Soumenlinna





die russisch-orthodoxe Kirche
das Wetter war nicht nur gut...




Diese Kirche ist in den Fels gehauen, ein Stückchen aufgemauert und dann mit Glas und Kupfer überdacht


Soviel dazu.
Bis bald.