Der Mai ist gekommen. Der Frühling ist endlich da. Das wird hier natürlich ausgelassen gefeiert. Valborg (auf deutsch Walpurgis) wird am 30. April gefeiert. Man kann sich vorstellen, wie das läuft.
Traditionell werden im ganzen Land Maifeuer angezündet, riesige Scheiterhaufen, die dann ewig brennen, währende man sich darum versammelt, feiert und seines Lebens freut. Etwas anders ist das in Uppsala. Immerhin die älteste Studentenkultur des Landes.
Der Tag beginnt trotz der Feiern am Vorabend, dem 29. (Kvalborg - das
ist im übrigen beliebig erweiterbar: der 28. heißt Skvalborg, der 27.
Ovalborg) mit einem Sektfrühstück im Park. Es ist an Valborg immer
gutes Wetter, so wurde mir versichert, und dieses Jahr war es so. Erster
Höhepunkt ist Forsränningen. Ein "Rennen" auf dem Fyris in
selbstgebauten Booten (Bilder nur vom Bauplatz, da ich selber nicht dabei sein konnte. Ich musste früh mit meiner Band in der Nation sein, aufbauen, soundchecken, usw):
Es ist dabei nicht ungewöhnlich, dass einzelne Teilnehmer es nicht einmal bis ins Wasser schaffen, für die anderen endet die Reise in der Regel an der ersten Staustufe. Dort sind auch die meisten Rettungsschwimmer postiert.
Danach verteilt sich die Masse in der Stadt, man trinkt im Park, auf der Straße oder zu Hause, um rechtzeitig zum Silllunch (Sill = Hering) in Stimmung zu sein. Das sollte in einer der Nationen eingenommen werden. Ein traditionell studentischer Brauch ist Mösspåtagningen, das Schwenken der Studentenmützen, entstanden aus dem kollektiven Austauschen der Winter- gegen die Sommerkopfbedeckung.
Dann geht es schnell weiter, es beginnt in den meisten Nationen der Champagnergallopp. Das Rezept ist einfach, man schiebe möglichst viele Menschen auf das Gelände, drücke jedem eine Flasche Sekt in die Hand, und ab geht die Party. Der geringste Teil des Sektes wird getrunken, eher so wie wenn man unter der Dusche den Mund aufmacht. bei uns spielte dazu die Band, ich würde sagen das war das größte Publikum das ich bis jetzt hatte.
Spätestens um sechs ist dann jeder durchnässt, klebrig und warmgetanzt; danach geht man entweder zum kollektiven Grillen, macht eine Pause oder feiert sonstwo weiter.
Wir haben uns für die offizielle Zeremonie entschieden: am Schloss hält der Curator Curatorum eine Ansprache, die Gunillaglocke wird zum einzigen Mal im Jahr geläutet, und der älteste akademische Chor der Stadt singt. Im Hintergrund wehen die 13 Nationsfahnen vor dem Sonnenuntergang.
Danach fuhren wir hinaus nach Gamla Uppsala, zum besagten Maifeuer. Da waren dann anscheinend nur noch Einheimische, Familien und Jugendliche.
Und wie komme ich auf den Titel des Postes? Ganz einfach: hier in Flogsta gab es auch Parties, inklusive brennender Möbel und Fahrräder. Angeblich kam die Feuerwehr mit Polizeieskorte...
Den krönenden Abschluss stellte eine Gasque dar, der Majmiddag. Man sitzt bei strahlendem Sonnenschein von halb eins bis halb acht im Festsaal beim Diner. Manchem Gesicht sieht man die Anstrengungen der letzten Tage an, vielen wird die Zeit lang. In jeder Pause stürmt man nach draußen, genießt die Sonne...
So waren dann auch nicht mehr viele Zuschauer da, als wir hinterher ein ausgiebiges Jazz- und Tanzprogramm spielten. Aber was solls, ich hatte Spaß...