Mittwoch, 1. Februar 2012

Ein neues Semester

Hallo.
vier kurze Wochen sind vergangen. Leider habe ich nicht viel Aufregendes zu erzählen.
Zunächst musste ich im neuen Jahr einen Essay schreiben mit dem Thema: "Palestine as a UN-member. Some legal repercussions". Ein interessantes, aber undankbares Thema. Es hat mich ziemlich in Anspruch genommen, aber dafür studiere ich ja auch. So konnte ich nicht viel an der Orientierungswoche für die Neuankömmlinge teilnehmen. Ja, es gibt tatsächlich Menschen, die jetzt ankommen und ihr Auslandssemester beginnen. Und als "alter Hase" fragt man sich, ob man zu Beginn auch so verwirrt durch die Stadt geirrt ist, auf der Suche nach der Bibliothek (eigentlich nicht zu verfehlen), dem Schloss (auch nicht zu verfehlen) oder der großen Party in Snerikes Nation (schon zu verfehlen, man verpasst aber nichts). Pubcrawls, willkommens-Parties, Tischtennisturnier, eine Themenparty zum Australia-Day (letzten Donnerstag), sowas eben.
Gleich nach Abgabe des besagten Essays fing mein neuer Kurs an: "Fighting Crime Together", inoffiziell auch bekannt als der "Superhelden-Kurs" oder "Justice League Uppsala". Eine Beschreibung des Kurses gab es nicht, als wir wählen mussten, und so hat wohl jeder, der da sitzt, das Kreuzchen einfach gemacht, weil der Titel aufregend klingt...
Und so lassen wir uns also von einem Rechtsphilosophen in verschiedene Aspekte moderner Verbrechensbekämpfung einführen, insbesondere unter "Node-and-Network" Aspekten. Ganz interessant soweit.
A propos Justice League. Das letzte Wochenende habe ich bei strahlendem Sonnenschein, minus 10 Grad und Schnee durchgehend drinnen verbracht, im Institut für Friedens- und Konfliktforschung. Dieses hatte die Uppsala Crisis Simulation organisiert: ein Rollenspiel, in dem die Situation in Libyen Ende April 2012, 2 Monate vor den Parlamentswahlen, simuliert wurde. Jeder Teilnehmer hatte eine Rolle (Milizenführer, Übergangspremier, NTC-Vorsitzender, Nato-Repräsentant, Kofi Annan) und öffentliche sowie geheime Ziele. Ich spielte den türkischen Verteidigungsminister, Ismet Yilmaz. Natürlich war das Ziel, Libyen auf den Weg zum Frieden zu bringen. Das ist leider gründlich schiefgegangen: Nach 2 Tagen à vier Runden, von denen jede eine Woche darstellte, war die Situation eskaliert und in einen weiteren Krieg abgerutscht.
Es bleibt zu hoffen, dass unsere Simulation nicht der Wirklichkeit entsprach. Interessant war das ganze, wenn auch über weite Strecken frustrierend, erfolglos und extrem anstrengend. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich zu erholen. Und es hat mir deutlich vor Augen geführt, dass eine Karriere in der (Außen-)Politik nicht unbedingt erstrebenswert ist.
Natürlich gibt es auch wieder musikalische Aktivitäten: Vor zwei Wochen war BRUNK, ein Zusammentreffen der Studentenbands aus Uppsala. Also Bands der Nationen, Fachbereiche usw. Es gab gute und weniger gute, einige, die mich daran zweifeln ließen, ob ich mich für die richtige Band entschieden habe. Aber bekanntlich kommt das beste zum Schluss: Nach drei Stunden Bigband-Swing far die Party schon fast vorbei, ich hatte Angst, dass für uns niemand bleiben würde. Aber weit gefehlt: Den ganzen Abend waren nicht so viele Leute auf der Tanzfläche gewesen. Man kann Menschen mit Soul und Funk glücklich machen. Das tut gut. Und es ist großartig, in einer Band zu spielen, die auf der Bühne mit(oder vor-?)feiert.Eine Showband, ja, aber eine die funktioniert...
Aber da man nicht immer nur studentische Veranstaltungen besuchen kann, habe ich endlich einen älteren Vorsatz in die Tat umgesetzt, und bin in den Jazz-Club "Katalin" gegangen. Dave Liebmann mit einer schwedischen Bigband und einem Programm bestehend aus minimalistischen Wayne Shorter-Stücken. Schwere Kost in Teilen, aber hervorragender Jazz. Dass muss man zu schätzen wissen.
Und sonst? Es ist endlich richtig winterlich geworden. Das Thermometer klettert kaum über -5°, seit zwei Wochen ist der Schnee nicht mehr geschmolzen (was, abgesehen von längerem Tageslicht, die umgebung um einiges heller und um einiges weniger deprimierend macht). Mein Zimmer ist immer noch kalt, aber durch höheres Aufdrehen der Heizung und selteneres Lüften (ich weiß, ist nicht gut, aber besser als Erfrieren) kann es doch auf erträglichen Temperaturen gehalten werden. Und übermäßig warm bin ich es auch nicht gewöhnt.
Jedenfalls kommt tatsächlich die Thermo-Unterwäsche zum Einsatz.
Meine Nation, Östgöta, hat sich tatsächlich in den letzten Wochen entsprechend ihrem Slogan zu meinem "andra hem", also meinem zweiten Zuhause entwickelt. Da viele der Freunde wieder abgereist sind, vertieft man die Kontakte zu den verbliebenen. Und es hat sich entwickelt, dass man eigentlich immer zu Fika-Zeit in die "Mjölkbar" gehen kann, irgendjemand ist immer da. Kaffee trinken, Kanellbulle essen, Zeit genießen, ignorieren, dass man eigentlich ein Seminar vorbereiten sollte, und so weiter. Ein gemütliches Wohnzimmer eben, in dem immer jemand ist, und in dem hoffentlich bald die Heizung wieder funktioniert. Außerdem gehe ich eimal in der Woche zum nationsinternen Spiel-Sport-Spaß für große Kinder, man kann ja nicht immer nur laufen gehen.

Weitere Pläne? Bald gehts nach Tallinn, einmal quer über die Ostsee. Ich werde berichten.
Ansonsten fällt mir gerade nichts mehr ein. Ich muss auch los, Neulinge kennenlernen.

Einen schönen Abend also, und bis zum nächsten Mal.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen